Chronik
Das Tambourkorps Rüthen wurde im Jahre 1878 von Josef Ohrmann gegründet, der auch gleichzeitig der erste Tambourmajor des Vereines war. In Berlin hatte er bei der Garde gedient und war mit dem Titel eines Bataillonstambourmajors in seine Heimat entlassen worden. Hier begann er gleich mit der Ausbildung von Trommlern, die nach der damaligen Sitte noch ohne Flötenspieler die Musikkapelle bei den örtlichen Festen unterstützten. ( frz. tambour = Trommler ). Im Jahre 1878 traten sie erstmals beim Schützenfest des Bürgerschützenvereins an die Öffentlichkeit und schlugen von dann ab auch auf Waldfesten, Prozessionen, Beerdigungen und anderen Veranstaltungen in der Stadt Rüthen den Takt zu Freud und Leid. In den alten Akten tauchen neben Josef Ohrmann immer wieder die Namen von Adolf Schmidt, Josef Bause und Peter Liedmeier auf. Erst ab 1909 waren auch Flötenspieler beteiligt und zwar Josef Romstadt und Johannes Gockel.
34 Jahre marschierte Josef Ohrmann mit dem Tambourstab seinen Männern voran, mehr als ein Drittel der ganzen bisherigen Vereinsgeschichte. 1912, im Alter von 67 Jahren, legte er ihn aus der Hand. Dann kam 1914 mit dem 1. Weltkrieg auch das vorläufige Ende aller Spielmannstätigkeit. Josef Ohrmann hat den Wiederbeginn nicht mehr erlebt. Am 31. Oktober 1918 schlug auch sein Herz den letzten Takt.
Als das Tambourkorps 1919 erstmalig wieder auftrat, war von den Alten nur noch Peter Liedmeier dabei. Heinrich Büker wurde Tambourmajor. Die fortschreitende Inflation zeigte sich auch im Entgeld für die Teilnahme für die Teilnahme am Schützenfest : 1919 = 200 RM , 1920 = 300 RM, 1921 = 400 RM, 1922 = 1000 RM. 1922 belief sich der Jahresumsatz des Junggesellen- Schützenvereins auf 610.000 RM. Das Jahr 1923 trieb die Zahlen in Billionenhöhe, bis endgültig 1924 wieder normale Zeiten einkehrten und dem Tambourkorps für ein Schützenfest bescheidene 90 Rentenmark bescherten.
Die Männer, die über die nächsten Jahre das Bild des Tambourkorps geprägt haben, waren Ferdinand Gockel, aktiver und begeisterter Trommler bis 1953, oder Josef Kellerhoff, später Kapellmeister der Musikkapelle und in seinen alten Tagen wieder Ausbilder beim Tambourkorps. Tambourmajor war Heinrich Deuke. Er schied 1936 aus, als er Küster an der St. Johannes- Kirche wurde.
Es gehört zu den Eigenarten von Tambourkorps, daß ihre Mitglieder oft wechseln. Viele Spieler zieht es zur Musikkapelle, weil sie dort stärker gefordert werden, andere verlassen aus diesem oder jenem Grund die Gemeinschaft. Es muss daher ständig um Nachwuchs geworben werden, ständig müssen junge Leute neu ausgebildet werden.

Dann kam der 2. Weltkrieg und der Tambourmajor Franz Sprenger, sowie Friedrich Happe starben den Soldatentod. Heinrich Kannengießer kam als Blinder zurück und die übrigen mit mehr oder weniger schweren Blessuren.
Nach diesem Krieg dauerte es länger als nach dem 1. Weltkrieg, bis die alten Volksbräuche und mit ihnen auch die "Knüppelmusik" als Volksmusik wieder zum Leben erweckt werden konnte. Zu groß waren die Katastrophe des Kriegsendes und die Wirren der ersten Nachkriegszeit gewesen. Marschmusik war den Besatzungsmächten ein Dorn im Auge. Auch viele Deutsche, vor allem ehemalige Soldaten, waren des Marschierens müde.
Die Initiative zu einem Neubeginn ging von der Kolpingsfamilie aus. Schon früher war das Tambourkorps meistens ein Ableger einer größeren Gemeinschaft gewesen, z.B. Jünglingsvereins oder der Freiwilligen Feuerwehr. Die Kolpingsfamilie als kirchlicher Verein stand bei den Besatzungsmächten nicht in Verdacht, eine Wiederbelebung militaristischer Traditionen anzustreben. Deshalb konnte sie ohne Schaden den neuen Anfang wagen.
1948 begannen die Proben. Man fuhr zunächst zweigleisig. Während der Nachwuchs die ersten Schritte lernte, frischten die früheren Mitglieder ihre Kenntnisse wieder auf. Sie wollten schon auf dem nächsten Schützenfest dabei sein und sie schafften es auch. Neben den alten Kämpen aus Rüthen marschierten auch 2 Spielleute mit, die durch den Krieg aus dem Osten des Reiches hierher gekommen waren, deren Namen inzwischen auch in der Sportgeschichte der Stadt Rüthen einen guten Klang haben : die Brüder Werner und Kurt Hildemann.
Der Anfang war gelungen. Der Erfolg spornte auch die jungen Kräfte an, sich gut auf den ersten öffentlichen Auftritt vorzubereiten. Ferdinand Gockel trainierte die Trommler, sein Bruder Heinrich die Flöter. Beim Junggesellenschützenfest 1949 marschierten Alt und Jung gemeinsam an der Spitze des Schützenumzuges. Ein erster Höhepunkt war 1950 der Festzug aus Anlaß des 750 jährigen Bestehens der Stadt Rüthen und des 500 jährigen Bestehens des Bürgerschützenvereins. Danach zogen sich die älteren Spieler langsam aus dem aktiven Einsatz zurück und überließen den jungen das Feld. Aber auch hier gab es Veränderungen. 1952 / 53 wurde eine neue Gruppe ausgebildet. Johannes Schulte bei den Trommlern und Fritz Siebecke bei den Flötern waren die Ausbilder. 1954 durften sie zum ersten Mal dabei sein. 1954 wurde auch die bis dahin lockere Bindung an die Kolpingsfamilie ganz gelöst. Das Tambourkorps gründete am 21.08.1954 einen eigenen Verein in der Form, wie er heute noch besteht. Zum 1. Vorsitzenden wurde Albert Gockel gewählt. Er hat dieses Amt bis 1978 bekleidet mit einer Ausnahme von 2 Jahren, in denen Franz Kowalzik und Anton Becker für je ein Jahr das Amt verwalteten.

Das Jahr 1954 war auch in anderer Hinsicht bedeutungsvoll. Es wurde nämlich die lange und erfolgreiche Serie der Tambourwettstreite eingeleitet. Der Auftakt in Belecke war verheißungsvoll. Die junge Mannschaft hatte keine Erfahrung. Zu allem Unglück mußte wenige Tage vor dem Wettstreit auch Werner Hildemann als Tambourmajor absagen. Johannes Schulte sprang ein. Das erwartete Ergebnis : in der 3. Klasse den letzten Platz. Aber die jungen hatten Mut. Sie meldeten sich zu neuen Wettstreiten an und kletterten bald die Erfolgsleiter hinauf. 1959 kam der Aufstieg in die 2. Klasse, 1963 schafften sie den Sprung in die 1. Klasse. Seitdem kämpfen sie mit mit renommierten westfälischen Spielmannszügen um Spitzenpositionen. 1960 , 1967 und 1978 veranstaltete das Tambourkorps mit Erfolg auch eigenen Wettstreite.
Maßgeblichen Anteil an den Erfolgen hatte Josef Kellerhoff, der den Ausbildern neue Musikstücke beibrachte, die von diesen wieder an Trommler und Flöter weitergegeben wurden. Zu nennen sind hier Albert Gockel und Heribert Biene als Ausbilder für Trommler und Norbert Schulte, Manfred Wiesner und Anton Becker als Ausbilder für Flöter. 1976 wurde Josef Kellerhoff, nachdem er sich aus dem aktiven Einsatz zurückgezogen hatte, in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Vereinsarbeit ist auch immer gleichzeitig Gemeinschaftsarbeit. Sie verlangt die Bereitschaft, sich uneigennützig für eine gemeinsame Sache und für andere Menschen einzusetzen. Darum heißt Nachwuchsförderung in einem Verein auch: Erziehung junger Menschen zum Gemeinschaftssinn. 1968 begann das Tambourkorps mit der Ausbildung von Schülern ab 10 Jahren. 1970 konnte ein eigener Jungspielmannszug zum erstenmal an die Öffentlichkeit treten und sofort Begeisterung erwecken. Seit dem war der Jungspielmannszug aus dem Bild der Rüthener Festzüge, sei es allein oder zusammen mit dem Seniorenkorps nicht mehr wegzudenken.

Das Tambourkorps wird auch zu den Veranstaltungen anderer Orte verpflichtet. Seit 1955 gestaltet es das Schützenfest in Meiste. Seit 1988 spielt das Korps beim Schützenfest in Kallenhardt auf und seit 1994 ist das Tambourkorps auch aktiv beim Schützenfest in Ramsbeck.
1977 tritt das Tambourkorps dem Volksmusikerbund bei. Ein Jahr nach dem 100 jährigen Bestehen bekommt das Tambourkorps 1979 die " Pro Musika -Plakette" verliehen. Seit dem 07.03.1980 ist das Tambourkorps ein eingetragener Verein. 1991 spielte das Tambourkorps zur 1050 Jahrfeier in Egeln, der Partnerstadt der Stadt Rüthen auf.
Nach Albert Gockel wurde 1978 August Becker zum 1. Vorsitzenden gewählt, dieser hatte das Amt bis 1988 inne, bis er dann von Alfons Altstädt abgelöst wurde. 1988 feierte das Tambourkorps sein 110 jähriges Bestehen mit einem Musikerfest.
Ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft tat das Tambourkorps im Jahre 1993. Dort wurde mit einer knappen Mehrheit auf der Jahreshauptversammlung beschlossen, zukünftig auch Mädchen in den Verein aufzunehmen. 1994 wurden die ersten Mädchen im Verein ausgebildet. Ziehvater dieses Schrittes war der damalige 1. Vorsitzende Alfons Altstädt.
Ein Höhepunkt war 1998 das 17. Kreismusikfest in Rüthen, welches mit den Bergstadtmusikanten ausgerichtet wurde. Anlaß war das 120 jährige Bestehen des Tambourkorps und das 110 jährige Bestehen der Bergstadtmusikanten. Zahlreiche Vereine waren der Einladung der Schriftführer Franz - Josef Kleine vom Tambourkorps und Andrea Kellermann von den Bergstadtmusikanten gefolgt und nahmen an diesem Musikfest teil, unter anderem auch eine Jugendkapelle aus Krobia in Polen.
Alfons Altstädt war bis 1999 1. Vorsitzender bis er von Wolfgang Schrewe abgelöst wurde. Der heutige 1 . Vorsitzende Markus Kleine löste Wolfgang Schrewe im Jahre 2001 ab.
Im Jahr 2003 feierte das Tambourkorps Rüthen das 125 jährige Bestehen. Zu diesem Anlass kam neben zahlreichen Vereinen aus der Umgebung sogar das Orkiestra Detra Krobia aus Polen. Im Gegenzug besuchte das Tambourkorps Rüthen ein Jahr später das Orkiestra und gemeinsam wurde das 10 jährige bestehen der polnischen Freunde gefeiert.

